Nichts technisches heute, sorry. Aber nichtsdestotrotz sehr wichtig.

Leider bin ich nicht mehr live bei dem dabei, was so geschieht. Leider ist Reutlingen nicht mehr meine Heimatstadt, bzw. mein Lebensmittelpunkt. Das ist zwar in mancher hinsicht traurig, Stuttgart ist aber viel schöner. Und viel netter. Bisher.

Was Reutlingen ausmacht. Das haben mich schon viele Leute gefragt, und ich konnte immer mit einem verwegenen Nachtleben ( bis 23 Uhr im Aussenbereich ), einer tollen Kulturlandschaft ( Danke, KuRT ) und natürlich einer großen Zahl von sehr engagierten, tollen Leuten erzählen. Es scheint mir, dass Reutlingen, bzw. die Stadtverwaltung, jetzt endgültig den Realitätsbezug unter dem neuen Belag der Wilhelmstraße begraben hat und sich, ganz im Stile mittelalterlichen Gutsherren, nicht so sehr um die Anliegen der Bürger als vielmehr um die eigene Eitelkeit kümmert. Eine Übersicht der Prestigeprojekte wäre lustig, aber auch lang. Aber für den geneigten Leser:

- Stadthalle ( feststellung: Eine Stadthalle ist etwas grundsätzlich anderes als ein Kongresszentrum )

- Wilhelmstraßen-Sanierung

- Scheibengipfeltunnel

- Rathaus-gegen-Shoppingcenter eintauschen, dafür Neubau eines Rathauses

Quatsch und Mumpitz der Vergangenheit:

- Parkleitssystem

- Kreuzeiche-Stadion

Wie man unschwer erkennen kann, hat all das viel mit Prestige zu tun, zu großen Teilen aber wenig mit dem Bürgerwillen. Das mag in einer representativen Demokratie ab und an vorkommen, sollte aber gründlich überdacht werden wenn es zum Regelfall wird.

Frau Bosch feiert gerne. Viele Feste, so zum Beispiel das Urtraditionelle Fest zum Schwörtag. Kennste nicht? Das Gefühl können einige Teilen, ein wichtiger historischer Tag eben. Neben diesem alljährlichen Event der regionalen Spitzenklasse beglücken uns in diesem Jahr auch die Heimattage mit einem Brauchtumsfeuerwerk. Es ist seltsam, das Wort Brauchtaum impliziert Notwendigkeit wo keine ist. Aber wir lassen ja jedem seinen Spaß. Wirklich? Natürlich nicht.

Man stelle sich das Stadtmarketing Reutlingen vor. Höchstengagierte Schwaben, die alle Register ziehen um ein durchweg positives Image der Stadt zu kommunizieren. Leider sind bei der Ausführung Mängel vorhanden, es wurde zum Beispiel einfach vergessen, die Domain www.heimattagereutlingen.de neben www.heimattage-reutlingen.de auch zu reservieren. Undenkbar, das linke Chaoten diese, von der Stadt offensichtlich nicht reservierte Domain jetzt für ihre Schandtaten missbrauchen. Oder eben doch fassbar, das sich einfach ein paar junge Leute einen Spaß erlauben.

Jetzt kann man auf mehrere Arten reagieren: sich den Fehler eingestehen und mit den nun wirklich nicht schlimmen Folgen leben, oder in bester Kleinkind-Manier: trotzig, überzogen und uneinsichtig. Ein Dialog wurde gesucht, doch leider wurde es von den linksradikalen Turbochaoten abgelehnt, dem Streich ein Ende zu setzen. Was bleibt der Stadt dann auch anderes übrig als rechtlich gegen die Verfasser vorzugehen? Nicht viel. Der GEA schreibt in unfassbar schwammiger Art : "Weil der Name der offiziellen Reutlinger Heimattage-Internetseite geschützt ist". Aha, was ist denn geschützt? Die Inhalte wegen mir, der Domain-Name? Kann ja sein, die Bombenleger verwenden ja allerdings den Namen ohne Bindestrich, und eine Marke Namens "Heimattage Reutlingen" ist, zumindest in Deutschland, nicht registriert. Im übrigen hat sich nur die Stadt Müllheim "ihre" Heimattage Markenrechtlich schützen lassen, vorbildlich.

Wie ich erfahren durfte, wurde den Verfassungsfeindlichen Verfassern jetzt eine Unterlassungserklärung zugestellt, mit der Androhung einer Klage sollte diese nicht unterschrieben werden. Es wird auf Verwechslungsgefahr hingewiesen. Wer diese findet, zwischen "Save se heimat" und dem anderen Unfug ( man nannte es Satire ), der möge mich darauf hinweisen, ich hatte nicht so viel Glück.

Und zu guter letzt sei der Stadtverwaltung noch ein Hinweis ans Herz gelegt, den man sonst eigentlichen nur jugendliche Intensivstraftätern gibt: Es hilft allen, wenn destruktive Energie in konstruktive Umgewandelt wird: zum Beispiel in Form einer neuen Schaukel für den Volkspark. Oder echten Alternativen für Jugendliche in Reutlingen. Vielleicht aber auch ein wenig Einsatz für bezahlbare Busfahrten. Oder einfach ein bisschen mehr Bürgernähe.

Und ein bisschen mehr Humor, bitte.